
Geschichte und Geschichten auf Schmalfilm
Mit ihren Schmalfilmkameras hielten Amateurfilmer nur selten weltbewegende Ereignisse fest. Stattdessen richteten sie den Blick auf das eigene Umfeld: Familienfeiern, Ausflüge, Urlaubsreisen oder Szenen aus dem Alltag. Gerade diese scheinbar beiläufigen Dinge, die in professionellen Filmproduktionen oft nur am Rande sichtbar werden, machen heute den besonderen Wert von Amateurfilmen aus.
Aus heutiger Sicht eröffnen diese bewegten Bilder vielfältige Einblicke in vergangene Jahrzehnte. Kleidung, Verkehrsmittel, Architektur oder Freizeitgewohnheiten werden ebenso sichtbar wie Veränderungen in Städten und Landschaften. Häufig zeigen die Aufnahmen Orte und Situationen, die inzwischen verschwunden oder stark verändert sind. Amateurfilme werden damit zu anschaulichen Dokumenten des gesellschaftlichen und kulturellen Wandels.
Die im Rahmen des nicht-kommerziellen Projektes Amateurfilmerbe.de bewahrten Amateurfilme aus den 1950er bis 1980er Jahren sind daher nicht nur persönliche Erinnerungsstücke, sondern zugleich faszinierende Momentaufnahmen einer noch gar nicht so fernen Vergangenheit und wertvolle audiovisuelle Quellen für Wissenschaft und Forschung.
Kommen Sie mit auf eine kleine Zeitreise auf Super 8 und Normal 8 – demnächst in über 150 Amateurfilmen auf dieser Website!
Highlights


Baustellenführung über das Münchner Olympiagelände

Mittelalterfest in Landshut

Sommer zu Hause

Regensburger und Zamperl

Vorarlberg und Tirol
Wer filmt denn da?
Die Menschen hinter der Kamera bleiben uns heute meist verborgen. Nur hin und wieder ist der Filmemacher selbst im Bild zu sehen – wenn die Kamera aus der Hand gegeben oder auf ein Stativ gestellt wurde. Wiederkehrende Motive von Frau und Kind deuten darauf hin, dass das Filmen vor allem eine männliche Domäne war. Nur selten verraten Vorspänne mit Namen ihre Identität, sodass heute oft nur die Bilder bleiben, die sie auf Zelluloid hinterlassen haben.
Wer sammelt denn da?
Seit einigen Jahren widmet sich der Fotograf Steffen Hauser, der in seiner Jugend noch selbst als begeisterter Schmalfilmer aktiv war, dem Sammeln von Amateurfilmen. Immer wieder tauchen auf Online-Marktplätzen und auf Flohmärkten alte Amateurfilme aus den Nachlässen ihrer Urheber auf. Mitunter enthalten diese Filme einzigartige Zeitdokumente, die ohne gezielte Bewahrung unwiederbringlich verloren gehen könnten.

Geschichte des Schmalfilms
Als Schmalfilm werden Filmformate bezeichnet, die eine geringere Breite als das professionelle Kinofilmformat von 35 mm haben. Mit der Einführung des 16-mm-Films im Jahr 1923 wurde das Filmen auch für kleinere Produktionsfirmen und wohlhabendere Privatpersonen erschwinglich. Noch stärker auf Amateurfilmer ausgerichtet waren die 8 mm breiten Formate Normal 8 (1932) und Super 8 (1965). Das nochmals schmalere Filmmaterial senkte die Kosten erheblich und ermöglichte so vielen Familien die Aufnahme von bewegten Bildern. Mit dem Aufkommen von Videokameras in den 1980er Jahren verlor der Schmalfilm jedoch schnell an Bedeutung.

Schmalfilmformate
Das Filmen mit Schmalfilmen war stets mit Qualitätseinschränkungen verbunden. Im Vergleich zum 35-mm-Kinoformat hat ein einzelnes Bild eines 16-mm-Films nur eine Fläche von gut 20%, bei Normal 8 sogar nur von knapp 5%. Super 8 bietet durch schmalere Perforationslöcher ein etwas größeres Bild als Normal 8 und somit eine leicht verbesserte Bildqualität. Erstmals waren nun auch Tonaufnahmen direkt auf einem Magnetstreifen am Rand des Films möglich. Aufgrund der geringen Filmauflösung blieben die 8-mm-Formate allerdings fast ausschließlich Amateuren vorbehalten, während das 16-mm-Format auch in Film- und Fernsehproduktionen verwendet wurde.

Vom Motiv zum fertigen Film
Anders als beim Fotografieren war das Filmen mit mehr Aufwand verbunden, bot dafür aber weitere gestalterische Freiheiten. Zur Grundausstattung gehörten neben der Filmkamera auch ein Filmprojektor, um die Aufnahmen auf eine Leinwand zu projizieren. Mithilfe eines Filmbetrachters und einer Klebepresse konnten die entwickelten Filme, die in der Regel etwa drei bis vier Minuten lang waren, bearbeitet und zu längeren Filmen zusammengestellt werden. Ambitionierte Amateure fertigten individuelle Filmtitel an und vertonten die fertigen Filme mit Musik und Kommentaren.

Digitalisierung und Restaurierung
Amateurfilme sind in den meisten Fällen Unikate, die nur einmal existieren. Da jedes Filmmaterial einem natürlichen Alterungsprozess unterliegt, der zu Farbveränderungen, Schrumpfung oder gar Zersetzung des Films führen kann, ist die Digitalisierung ein wichtiges Mittel, um die Aufnahmen zu erhalten. Im Anschluss können bei einer vorsichtigen digitalen Restaurierung beispielsweise wacklige Aufnahmen stabilisiert sowie Staub und Kratzer reduziert werden. Dabei sollte der originale Bildeindruck mit der für 8-mm-Filme typischen geringen Auflösung und dem vergleichsweise groben Korn jedoch erhalten bleiben.